Titan Quest 2 besser als Diablo 4 und Path of Exile 2?

Nach gut 8 Stunden hatten meine Frau und ich den ersten Akt in Titan Quest 2 durch. Und für mich persönlich stand fest: Ich habe es so vermisst.

Etwa 30 Stunden habe ich mit Path of Exile 2 verbracht und etwa 100 Stunden in Diablo 4. Und mal ganz davon abgesehen, dass PoE 2 natürlich noch in einer Early Access Fassung ist, steht für mich jetzt schon fest: Wenn das Niveau von Titan Quest 2 auch in den kommenden Akten so hoch bleibt, dann gibts für mich keinen Grund mehr regelmäßig in Diablo 4 oder PoE 2 reinzuschauen.

Das hat für mich insbesondere 4 Gründe, die ich jetzt jeweils kurz anreißen werde:

1. Grafik und Setting

Was natürlich als erstes ins Auge fällt: Die Grafik. Die ist in Titan Quest 2 wesentlich bunter als in den anderen Genrevertretern. Das mag nicht jedem gefallen, aber für mich funktionieren Spielwelten vor allem dann, wenn ich mich in ihnen wohlfühle. Und das ist gerade in den ganzen düsteren und dämonenversuchten Welten der Konkurrenz eher nicht der Fall. Auch grafisch finde ich Titan Quest 2 mit seinen vielen Licht&Schatten-Spielereien sowie atmosphärischen Details wie Nebelschwaden und Reflektionen im Wasser wesentlich ansprechender.

Bosskampf bei einer sehr atmosphärischen Grafik

Man merkt, dass viele Orte wirklich von Hand gefertigt worden sind und sich die Entwicklerinnen und Entwickler fast schon bei jeder Szene Gedanken um die Inszenierung gemacht haben. Gerade bei PoE2 hatte ich oft das Gefühl, dass man pro Gebiet einfach eine Hand voll Assets hatte und diese dann in einem Leveleditor einfach ein bisschen auf der Karte platziert hatte. Letztendlich hatte sich dadurch kein einziges Gebiet des Spieles in irgendeiner Art und Weise ins Gedächtnis gebrannt. Alles fühlte sich irgendwie gleich nur mit anderen Assets und anderen Farben an.

2. Abenteuererlebnis

Wo wir gerade von „handgefertigt“ sprechen: Titan Quest 2 fühlt sich wesentlich eher nach Adventure an, als das bei den anderen beiden Titeln der Fall ist. Es gibt soviel mehr zu entdecken, Rätsel zu lüften, interessante Nebenquests zu erfüllen. Dazu optionale Bossbegegnungen oder versteckte Räume und Schätze. Das sorgt ebenfalls dafür, dass ich die Welt wesentlich immersiver wahrnehme als das bei Welten der Fall ist, die nur dazu dienen ein Gehege für die Monster zu sein, die ich stundenlang für besseren Loot grinde.

Was ich sowohl an Titan Quest 2 aber auch an Diablo schätze, ist die Inszenierung der Story. Immer wieder treffe ich auf einzigartige Charaktere, die mich durch die Story begleiten und die auf die Story einwirken. Auch wenn mich Stories meistens nie so fesseln, als dass ich nur wegen der Story ein Spiel weiterspiele, sorgen sie trotzdem dafür, dass das Spielerlebnis wesentlich besser ist, als wenn es gar keine Story hätte. Und auch wenn Diablo natürlich alleine schon durch seine tollen Zwischensequenzen punkten kann, fand ich die vielen kleinen Nebengeschichten in Titan Quest 2 durch die Bank weg gelungen.

3. Kampfgeschwindigkeiten

Ich weiß, dass es viele sehr cool finden, im Endgame wie ein geölter Blitz mit ordentlich Effektgewitter durch Gegnerhorden zu mähen. Für mich ging dabei aber so viel an Übersicht verloren, dass es in PoE 2 und Diablo gerade bei schwierigeren Passagen regelmäßig vorkam, dass ich in diesem Effektgewitter ums Leben gekommen bin, ohne dass ich verstanden hätte, wieso ich jetzt plötzlich aus den Latschen gekippt bin.

Bei Titan Quest 2 geht es wesentlich ruhiger zur Sache. Aber gleichzeitig nicht so ruhig, als dass es sich dadurch nicht mehr wie ein Hack & Slay anfühlen würde. Insbesondere die Telegrafen auf dem Boden, die besonders schwerwiegende Gegnerangriffe anzeigen, finde ich sehr cool. Die habe ich schon in Wildstar geliebt ohne dass sie wie aktuell in GW 2 häufig dadurch nutzlos werden, als dass sie nicht korrekt angezeigt werden. Generell trifft das Kampfsystem für mich den Sweetspot zwischen: Zu hektisch und zu langsam. Und zwischen: Zu unübersichtlich und zu simpel.

Und ich glaube gerade in der heutigen Zeit, in denen gefühlt jedes Hack & Slay meint sich mit Effektgewittern und hoher Geschwindigkeit übertreffen zu müssen, ist Titan Quest 2 eine gelungene Abwechslung.

4. Charakterfortschritt

Ich muss zugeben, ich spiele Diablo 4 in erster Linie deswegen nicht mehr, weil ich das Gefühl habe, alles was die Klassen und das Kampfsystem bietet, gesehen zu haben. Das 5. Mal eine Zaubererin zu erstellen und mit den immergleichen Fähigkeiten zu kämpfen, reizt mich nicht mehr.

Der Charaktereditor ist noch sehr überschaubar

Bei PoE 2 fand ich den Progress unglaublich mühsam und nicht belohnend. Ich hatte das Gefühl mindestens 200 Stunden grinden zu müssen, um mir einen interessanten Charakter erstellen zu müssen. Und dann nochmal unzählige weitere Stunden, wenn ich dann feststelle, dass mir der Build keinen Spaß macht und ich einen anderen versuchen möchte.

Titan Quest 2 ist was die Build-Abwechslung betrifft, wesentlich umfangreicher als Diablo 4. Man kann jeden einzelnen Skill mit gut einem Dutzend Modifikatoren ausstatten, die den Skill teilweise massiv abändern. Gleichzeitig kann man auch immer zwei Klassen miteinander kombinieren, sodass man zahlreiche Möglichkeiten hat, sich selbst eine Klasse nach seinen eigenen Wünschen zu gestalten.

Noch umfangreicher ist selbstverständlich das System von PoE 2. Bei PoE 2 hat es mich allerdings immer gestört, dass ich nur mit großem Aufwand eigene Builds erstellen konnte. Denn zuvor musste ich mir immer erst einen Gesamtüberblick über den gesamten mehrere hundert-teiligen Fertigkeitenbaum verschaffen und sehr viel Zeit damit verbringen, genügend Punkte freizuschalten, um meinen Build zu erstellen. Oder ich lese einfach einen der zahlreichen Umfangreichen Guides. Das Punkteverteilen ist dabei eher semi-spannend, da die Punkte meistens nur passive Attributsverstärkungen bringen.

In Titan Quest 2 kann ich binnen weniger Mausklicks und bereits im frühen Spielstadium mit verschiedenen Buildkonfigurationen experimentieren. Gerade durch die Modifikatoren, die sich kostenlos und zu jeder Zeit im Spiel ändern lassen, kann ich meinen Bogenschützen, der auf Giftpfeile spezialisiert ist, binnen 30 Sekunden in einen Dolch-Meuchler mit Brandgranaten verwandeln. Soviel Flexibilität bin ich von solchen Spielen nur selten gewohnt. Und letztendlich ist das für mich auch wesentlich spaßiger einfach Dinge schnell selbst auszutesten, als dass ich wirklich genötigt bin, mir irgendwelche umfangreichen Guides durchzulesen, um zu verhindern, mich zu verskillen und dann nur mit großen Zeitaufwand oder Ingamegeldaufwand wieder anders zu skillen.

Daher bin ich der Meinung, dass das Gamedesign von Titan Quest 2 für mich zumindest ein wesentlich besseres und fortschrittlicheres Fundament darstellt, als es bei Diablo 4 und PoE 2 der Fall ist.


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert